Als uns Madonna vor einigen Tagen bei der Verleihung der Grammy  Awards ihr seltsam verschnürtes, nacktes Hinterteil entgegenstreckte,  wirkte das nicht sexy, sondern nur peinlich. Die  Queen of Pop, die früher Trends setzte, versuchte es ihren jungen  Kolleginnen wie Rihanna, Cara Delevingne und Miley Cyrus gleichzutun,  die Anfang dieses Jahres auf Instagram ihre Kehrseite zeigten.
Eine Po-Mania unter den Popstars – doch nicht nur. Auch Frauen, die nicht im Scheinwerferlicht stehen,  fokussieren auf ihr Hinterteil. «Der Po der Stunde ist gross und rund»,  sagt Gertrude Beer, plastische Chirurgin aus Zürich. Der Trend zu Po-Implantaten habe in der Schweiz denn auch enorm zugenommen.
Ein grosser Po? Wie das? Wir Frauen wollen und  sollten doch nur eines sein: dünn! Jedenfalls wenn es nach der  gesellschaftlichen Norm geht. Und jetzt sollen wir plötzlich wieder  einen Rubens-Hintern präsentieren? Und wer keinen hat, soll ihn  künstlich aufpumpen?
Was geht uns Hollywood an, ist man geneigt zu sagen.  Sollen doch die ollen Kardashians ihre Spoiler schwenken, so lange sie  wollen, das hat doch keinerlei Einfluss auf unsere Realität. «Falsch»,  sagt Beer. «Bei keiner anderen Schönheits-OP ist die Nachfrage stärker  gewachsen.» Dies, obwohl es bei keinem anderen Eingriff mehr Risiken  gibt als bei diesem. Verrutschte Silikonkissen und  Infektionsgefahr sind nur zwei davon. Gertrude Beer, die lange am  Universitätsspital Zürich gearbeitet hat, ist selber «überrascht» vom  grassierenden Po-Boom.
Und wer wünscht sich jetzt ein so ausgeprägtes Hinterteil? Die Antwort  erstaunt. «Es sind die ganz jungen Frauen unter 30, die zu mir in die  Praxis kommen. Sie lassen sich weder von den Risiken noch den Kosten  einer solchen Operation (um die 10'000 Franken) abbringen.» Und damit  das Gleichgewicht gewahrt ist in der Körperstatik, werden auch noch  üppigere Brüste gewünscht. Auch hier kann Beer einen neuen Trend  festmachen. War bis jetzt die häufigste Silikongrösse  um die 300 Gramm, werden von den ganz Jungen üppigere Brüste gewünscht.  Um dies zu demonstrieren, drückt mir die Chirurgin in ihrer Praxis im  Zürcher Engequartier ein 500 Gramm schweres Silikonkissen in die Hand.  Wahrlich eine Handvoll.
Was für eine Ironie! Während viele erwachsene Frauen zwischen 30 und 60  jedes Gramm Fett runterhungern, wie aktuell Heidi Klum oder Königin  Letizia von Spanien, und/oder sich Fett absaugen lassen, wünschen sich  viele Frauen unter 30 nichts sehnlicher als Kurven. Und zwar solche, die fast schon einen Comic-Charakter haben,  mit einem beträchtlichen Vor- und Hinterbau, zusammengehalten von einer  Wespentaille. Und natürlich müssen die Beine dünn und lang sein.
Der Druck, der auf jungen Frauen bezüglich ihres Aussehens lastet,  ist enorm. In Zeiten von Selfies, Instagram und Co. wird erwartet, dass  man in jeder Lebensposition gut aussieht. «Ich habe 18-jährige  Kundinnen, die sagen, wenn sie nicht so aussehen würden wie ihre  Vorbilder, die Stars, würden sie keinen Freund finden», sagt Beer. Ständig würden sie sich mit ihren prominenten Vorbildern  vergleichen. «Viele junge Frauen kommen mit ihren Müttern, die wollen,  dass ich ihren Töchtern die OP ausrede. Da sage ich nur: Klären Sie das  zusammen, das ist nicht meine Aufgabe.» Wie geht sie mit solchen  Wünschen um? «Zurückhaltend», ist ihre Antwort. «Wenn die Kundin  volljährig ist und auf einer OP besteht, versuche ich ihr eine  vorzuschlagen, die zu ihrem Körper passt. Wenn ihr das nicht gefällt,  dann wird sie zu einem anderen Arzt gehen, oft auch ins Ausland.»
Und wenn sich das Schönheitsideal übermorgen wieder ändert und die Frauen plötzlich wieder flach wie ein Knabe sein sollen? Was passiert dann mit den aufgepolsterten Busen und  ebensolchen Pos? «Viele Frauen sagen, wenn das denn so wäre, dann nähmen  wir das Silikon halt wieder raus», sagt Beer.
So einfach ist das.